"Wo die Karpfen wachsen" - Wanderung durch ein Weihergebiet um Kreben und Kirchfarrnbach
verfasst von Werner Fliehr für die Wanderung des Heimatvereins Wilhermsdorf am 11. Oktober 2008 Seite 13

 
Geschichten
     
„33 auf’n Zentner“
Kilogramm, Dezitonne und Tonne haben es schwer in der Teichwirtschaft; immer noch wird in Pfund und Zentnern gerechnet. Der kundige Gastwirt verlangt vom Fischbauern z.B. 33 auf’n Zentner, d.h. der Fischzüchter muss für den Wirt Dreipfünder sortieren, also ein Durchschnittsgewicht von 1500 Gramm.
50 auf’n Zentner können nicht als Speisekarpfen verkauft werden, da das Stückgewicht bei 1000 Gramm liegt und 24 auf’n Zentner sind zu groß.

„den Schwanz muss er stellen“
Die besten Speisekarpfen sind die, wenn 30 - 40 Stück auf einen Zentner gehen. Frisch geschlachtet muss er werden, auch die Schwanzflosse muss ordentlich in der Mitte zerteilt werden. Dann nach dem Trocknen mit einem Tuch, salzen und pfeffern, in Mehl wenden und im schwimmenden Fett (180 Grad, ca. 12 Minuten) herausbacken. Automatisch stellt der „Halbe“ den Schwanz und goldgelb ist er auch, wenn er so zubereitet wird.

„der Halbe bezahlt den Ganzen“
Dass der halbe Karpfen den ganzen Karpfen bezahlt, war eine Umrechnungsformel vor gut fünfzig Jahren. Kostete der ganze Karpfen beim Verkauf z.B. ein zweieinhalb Pfünder 3 Mark, wurde für den halben Gebackenen 3 Mark verrechnet, also der halbe Gebackene hat den ganzen Karpfen bezahlt. Heute kostet beim Verkauf der 2 1/2 Pfünder 3,75 Euro und in der Gastwirtschaft der „Halbe“ .......- bitte selbst nachrechnen, wenn 100 Gramm gebackener Karpfen zwischen 1,40 - 2,20 E liegen. Bezahlt ein Viertel schon den Ganzen?

„der Karpfen muss dreimal schwimmen“
zuerst im Wasser, dann im Fett und schließlich im Bier, ein Schnaps dazu schadet nicht.


„Nachfischen“
Als die Weiher noch nicht ausgebaggert waren, erstreckte sich das Abfischen im Wesentlichen auf den Bereich der Fischlache oder Schlegelgrube; im versumpften Bereich konnte man nur schwerlich fischen.

War nun das Abfischen beendet kamen die Nachfischer. Es war und ist noch heute selbstverständlich, dass die beim Nachfischen gefangenen Fische ihnen gehörten.

 

„kann man von Dürrnfarrnbach nach Kirchfarrnbach schauen?“
Selbstverständlich nein, denn der Wald zwischen Dürrnfarrnbach und Kirchfarrnbach verhindert die Sicht. Das war nicht immer so! Gnad Michael, be. 02.09.1884, gest. 26.11.1982, berichtete, dass man in seiner Kinder- und Jugendzeit von Dürrnfarrnbach aus Kirche, Pfarrhaus und Schule sah, denn vom Hardfeld bis zum Rennweg “Breite Krotte”, waren Weiher, Feldbau, sogar Wein wurde angebaut. Alte Weiherdämme und ein ca. 100-jähriger Föhrenwald in diesem Gebiet bestätigen diese Aussage.
Es soll keine gute Zeit gewesen sein, wurde Gnad Michael von seinem Vater erzählt. Von Dürrnfarrnbach sieht man schon lange nicht mehr die Kirchturmspitze von Kirchfarrnbach. Hoffentlich bleibt das so!

„Häkelmo und horier Andres“
Auch heute noch wird unartigen Kindern mit dem Häkelmo (Hakenmann) und dem horier Andres (haariger Andreas) gedroht.
Böse Kinder werden von den Sagegestalten in den tiefen Sumpf der Weiher gezogen aus dem es kein Entrinnen mehr gibt.
Eine solche Untiefe hat immer noch der Dorfweiher von Kirchfarrnbach. Kommt man in eine solche schlammige Stelle wird man unweigerlich nach unten gezogen, ohne Hilfe anderer kann man sich fast nicht befreien.
Die Angst nach unten gezogen zu werden, lebt im Häkelmo und horien Andres weiter.

„Himmelsweiher“
Hoffentlich bald Regen, besorgte Blicke zum Himmel, denn die Himmelsweiher von Zinner Fritz, Dürrnfarrnbach sind am Austrocknen (um 1930). Und dann noch das nahende Sterben, Pfarrer König aus Kirchfarrnbach versucht ihn beredt darauf vorzubereiten. Etwas schwerhörig nimmt wohl Fritz Zinner nicht alles wahr, was Pfarrer König sagt, seine Gedanken sind wohl wo anders.
Als nun der Pfarrer gesprochen hatte, antwortete Fritz Zinner:“Herr Pfarrer, des is ja alles ganz schö, wos Sie da reden, ober wenn nur mei Weiherli a Wasserla hätt’n.“ Was darauf Pfarrer König sagte, ist nicht überliefert.